Was ist, wenn es nach der Hochzeit schiefgeht?

Die Hochzeit soll Ihnen wie ein wahr gewordenes Märchen erscheinen. Die Vorbereitungen auf den großen Tag sind wie eine Reise durch ein Zauberland, das Kleid lässt Sie wie eine Prinzessin aussehen.

Es ist an alles gedacht und es wird wunderbar werden. Oder? Was, wenn es nach der Hochzeit doch nicht mehr wunderbar ist?

Dinge, an die niemand denken möchte

eheNatürlich ist die Zeit vor einer Hochzeit eine Zeit, in der man auch mal ein bisschen unrealistisch sein und träumen darf. Aber zwischendurch sollte die rosarote Brille auch einmal abgesetzt werden, schließlich geht es bei einer Heirat um eine Entscheidung, die für das gesamte restliche Leben eine Rolle spielen wird. Aber immerhin wird beinahe jede zweite Ehe geschieden.

Gewisse Vorkehrungen kann man selbstverständlich treffen, etwa durch den Abschluss eines Ehevertrages. Doch es gibt auch Entwicklungen und Situationen, auf die man nie so richtig vorbereitet sein kann. Dazu gehört vor allem ein sehr wichtiges Thema, über das niemand gerne sprechen möchte: Gewalt in der Ehe. Am Tag der Eheschließung mag sich niemand vorstellen, dass die Liebe einmal nicht mehr bestehen könnte.

Und noch viel weniger kann sich irgendjemand vorstellen, dass der geliebte Partner zum Gewalttäter werden könnte. Dabei passiert genau das viel zu häufig – übrigens nicht nur einseitig: Auch Männer werden Opfer häuslicher Gewalt, sprechen aber noch seltener als Frauen darüber. Nach wie vor sind Frauen aber viel häufiger die Opfer.

Bauen Sie sich ein Sicherheitsnetz

Niemand sollte mit Angst oder übergroßer Sorge in eine Hochzeit gehen und das wäre ja auch rein statistisch betrachtet völlig unberechtigt. Betrachtet man die Gesamtzahl aller geschlossenen Ehen, dann sind Fälle von Gewalt unter diesen höchst selten und selbst wenn Ehen wieder geschieden werden, dann läuft das in aller Regel ab, ohne dass es zu Fällen psychischer oder physischer Gewalt gekommen wäre. Die Fälle, in denen es aber doch dazu kommt, hinterlassen lebenslange Wunden, vor allem auf der Seele.

Zwar kann man nicht vorbeugen, aber es ist schon ein wichtiger Schritt, wenn man sich mit dem Thema zumindest gedanklich schon einmal beschäftigt hat. In diesem Fall fällt es Betroffenen oft leichter, gewisse Vorzeichen zu erkennen, zum Beispiel eine allgemeine Neigung zu Gewalt, plötzliche Wutausbrüche oder irrationales Handeln in Stresssituationen. Auch eine Suchtkrankheit kann sich in Gewalt ausdrücken.

Es ist daher ratsam, sich mit den möglichen Vorzeichen einer gewalttätigen Entwicklung vertraut zu machen und von Anfang an entgegenzusteuern, etwa durch Gespräche oder möglicherweise eine Therapie. Spätestens wenn es zu solchen Vorzeichen gekommen ist, macht es auch Sinn, sich über bestehende Hilfsangebote für Betroffene zu informieren. Vor allem aber muss man in der Lage sein, den Schalter im Kopf umzulegen, von der Liebe zum Partner und dem Glauben an einen guten Ausgang hin zum Selbstschutz.

In den schlimmsten Fällen häuslicher Gewalt haben die Opfer einfach zu lange gewartet und gehofft, dass doch noch alles gut werden würde. Zumindest dieser gefährlichen Art der Realitätsverweigerung kann man vorbeugen, indem man realistisch bleibt. Nach dem Hochzeitstag ist dafür auch irgendwann wieder Zeit.

Bildquelle: Rainer Sturm - Pixelio.de


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