Der Polterabend – eine jahrhundertealte Tradition

Im Gegensatz zum Junggesellenabschied gehört der Polterabend zu den Bräuchen, die in ihrer reinsten Form bereits seit dem späten Mittelalter vorhanden sind. Am Polterabend wurde innerhalb der dörflichen Gemeinschaft mit allen möglichen Gerätschaften Lärm geschlagen um böse Geister und Dämonen zu vertreiben. Dazu gehört auch der Spruch "Scherben bringen Glück".

Eine Scherbe hat jedoch bei diesem Spruch nicht mehr die heutige Bedeutung, sondern stand für alle Arten von Porzellan und Steingut und sollte bedeuten, dass viele Gefäße Reichtum und genügend Nahrung symbolisierten. Im Verlauf der Jahre, vor allem mit der Abschaffung von Steingut und Porzellan zur Aufbewahrung von Lebensmitteln, wurde aus diesem Brauch der heute noch bekannte Polterabend. Um die bösen Geister zu vertreiben, werden in der heutigen Zeit Porzellan und Geschirr von den Gästen des Polterabends zerbrochen, um dem angehenden Brautpaar Glück für ihre Hochzeit und ihr Leben danach zu wünschen.

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So bleibt der Polterabend eine Veranstaltung, an welcher der ehelichen Gemeinschaft gedacht wird, im Gegensatz zum Junggesellinnenabschied, bei welchem der nicht verheiratete Status der Eheleute ein letztes Mal zelebriert wird. Doch um einen gelungenen Polterabend zu gestalten sollten die Brautleute einige Punkte beachten. Denn sowohl die Tradition, als auch der gesunde Menschenverstand sorgen hier für einige Stolpersteine und Irrtümer. Wo der Junggesellenabschied noch leicht zu begreifen und oftmals noch leichter zu organisieren ist, muss für eine solche Veranstaltung ein wenig mehr Vorbereitungszeit in Anspruch genommen werden.

Der Polterabend – Wen soll man einladen

Grundsätzlich wird niemand zum Polterabend eingeladen. Denn traditionell ist der Polterabend keinerlei Veranstaltung für geladene Gäste, sondern für alle, die sich dem angehenden Brautpaar verbunden fühlen. Aus diesem Grund wird für den Polterabend keine direkte Einladung ausgesprochen, sondern nur der Termin bekannt gegeben. Viele Paare informieren über das Datum des Polterabends dabei informell per Mail oder drucken den Termin für den Polterabend mit auf die Einladungen für die Hochzeit. So ist es zum Beispiel für viele Brautpaare eine sehr gute Gelegenheit um auch mit den Menschen ihre Hochzeit zu feiern, welche nicht direkt zur Hochzeit eingeladen werden können. Auch hier grenzt sich diese Festlichkeit nochmals vom Junggesellenabschied ab, da bei diesem in der Regel nur innerhalb des eigenen Geschlechts gefeiert wird.

Wann der Polterabend stattfinden sollte

Traditionell fand der Polterabend am Abend vor der Hochzeit statt, was vor allem für unausgeschlafene und unausgeruhte Brautpaare und Gäste sorgte. Dem entsprechend hat sich dieser Brauch mittlerweile deutlich aufgeweicht, so dass der Polterabend in der Regel bis zu drei Wochen vor der eigentlichen Hochzeit stattfinden sollte. So haben sowohl die Besucher, als auch das Brautpaar genügend Zeit, sich vom Polterabend zu erholen und die wichtigen Hochzeitsvorbereitungen in aller Ruhe zu begehen.

Den richtigen und passenden Ort finden

In früheren Zeiten wurde der Polterabend immer im oder am Haus der Brauteltern gefeiert. Dies ist jedoch oftmals kaum möglich, aufgrund der Wohnsituation innerhalb der Städte und der Menge der Gäste. Dem entsprechend ist es oftmals von Vorteil, einen entsprechenden Party-Raum zu mieten oder die Feier in den Sommermonaten in Gärten oder Outdoor-Locations durchzuführen. Dies verhindert unabsichtliche Kollateralschäden an vorhandener Einrichtung und erleichtert in der Regel die Reinigungstätigkeiten am nächsten Tag. Viele Veranstalter werden jedoch vorsichtig, wenn ein Polterabend erwähnt wird und verlangen eine Reinigungskaution, da der Reinigungsaufwand nach einem solchen Abend deutlich höher ist, als nach anderen Feierlichkeiten.

Die Verpflegung der Gäste

Auch wenn der Polterabend keine eigentliche förmliche Veranstaltung ist, so müssen die Gäste doch gut versorgt werden. Hier haben sich vor allem Gerichte angeboten, welche sich in großer Menge vorbereiten lassen und auch für viele Menschen in ausreichender Menge gelagert werden können. Früher wurde hier traditionell eine Hühnersuppe angeboten, da diese für eine fruchtbare und gesunde Zukunft stand. In der heutigen Zeit ist ein kaltes Buffet eine besonders leicht zu bestückende und vor allem auch preislich gut kalkulierbare Alternative geworden. Da die Menge der Besucher bei einem Polterabend jedoch nur geschätzt werden kann, sollte man stets mit einer möglichst großen Anzahl an Gästen rechnen. Dies gilt vor allem auch für die Getränke. Hier sollte man auf die Kommissionierung einiger Getränkezentren zurückgreifen, bei der man die nicht genutzten Getränke ohne Kosten wieder zurück geben kann. So steht ein ausreichend großer Vorrat an Getränken zur Verfügung, ohne dass die Brautleute für nicht genutzte Mengen finanziell aufkommen müssen.

Spiele für den Polterabend

Bei der Planung des Polterabends sind auch die Gäste gefragt. Besonders dann, wenn es um lustige Spiele geht, die nicht nur die Stimmung heben, sondern auch dafür sorgen, dass sich die Gäste untereinander besser kennenlernen. Nicht immer sind die erweiterten Bekanntenkreise der Braut und des Bräutigams miteinander vertraut, so dass es im schlimmsten Fall zu einer leichten Gruppenbildung kommen kann. Letztendlich kann man grob zwischen zwei Arten von Spielen unterscheiden: Einmal die Spiele, die alle Gäste mit einbeziehen und einmal die Spiele, bei denen das angehende Brautpaar beispielsweise lustige Aufgaben bewältigen muss. Gerade letztere können natürlich schlecht vom Brautpaar selbst geplant werden, sondern bedürfen dem Input der Gäste. Hier gibt es eine Übersicht mit klassischen Polterabend-Spielen.

Die Kosten genau im Blick behalten

In der Regel kalkuliert man bei einem Polterabend einen Kostenaufwand von 10 – 15 EUR pro Person ein, worin sowohl Essen, als auch Getränke enthalten sind. Diese Mischkalkulation hat sich hierbei als recht treffend erwiesen und ermöglicht es dem Brautpaar, bereits vor der Feier die anstehenden Kosten zu kalkulieren. Natürlich müssen Dinge wie Strom, Musik oder Miete für die Location noch mit eingerechnet werden, so dass ein großer Polterabend schnell zu einem teuren Spaß für die Brautleute werden kann. Im Gegensatz zum Junggesellenabschied, bei welchem der Junggeselle oder die Junggesellin in der Regel für nichts aufkommen müssen, muss ein solcher Abend jedoch von ihnen allein getragen werden.

Geschenke oder Nicht – Was üblich ist

Üblicherweise werden zu einem Polterabend keine direkten Geschenke mitgebracht. Selbstverständlich ist es jedem selber überlassen, ob er eine Kleinigkeit als Dank für den Abend mitbringt, eine Pflicht ist es jedoch in keinem Fall. Es hat sich allerdings bewährt, dass das Brautpaar eine kleine Schale oder einer Schüssel an strategisch guter Position aufstellt, in welcher um eine kleine Spende für den Abend gebeten wird. So können die Gäste, wenn sie wollen, etwas spenden und somit den finanziellen Aufwand für den Polterabend ein wenig erleichtern, ohne dass sie extra ein Geschenk mitbringen müssten.

Nun aber zum Poltern – was darf geworfen werden

Soll nun das eigentliche Poltern beginnen, werden von den Gästen die verschiedensten Dinge geworfen. Wichtig hierbei ist jedoch, dass weder Glas noch Spiegel zu den Gegenständen gehören. Denn sowohl zerbrochenes Glas, als auch ein zerbrochener Spiegel sind Zeichen des Unglücks und sollten in diesem Zusammenhang gemieden werden. Erlaubt und gewünscht sind jedoch alle Arten von Porzellan und Steingut, was zeitweise zu beinahe abstrusen Bildern führen kann.

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Denn nicht nur altes Geschirr, sondern auch Toiletten und ganze Badewannen sind bereits auf einem solchen Abend gesichtet und zerschlagen worden. Das zerschlagene Steingut und das Porzellan müssen anschließend von Braut und Bräutigam gemeinsam aufgeräumt und entfernt werden, was die anstehenden Belastungen innerhalb der Ehe symbolisieren soll, die gemeinsam aus der Welt geschafft werden sollen.

Bildquelle: Thomas Max Müller + JMG - Pixelio.de


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